Donnerstag, 23. September 2021

Geschichte zwischen zwei Buchdeckeln.

Soviel Arbeit! Und dann plötzlich kann ich es in der Hand halten. Das neue Buch ist aus der Druckerei gekommen und es ist schön geworden!

Mittwoch, 22. September 2021

Weitgereist im Dienst des Kinos.

Ich habe eine spannende Ö1-Dimensionen-Sendung gemacht, über den „Filmkaufmann“ Rudolf Jellinek. Heute Abend ab 19.05 Uhr.

32 Dienstjahre und elf Nationen – das ist die Bilanz des weitgereisten Rudolf Jellinek. Seine Lebensreise beginnt 1892 im Königreich Böhmen und endet 1965 in Wien. Dazwischen liegen Jahrzehnte im Dienst der amerikanischen Produktionsgesellschaft Paramount Pictures.
In einem Album, das die beiden Filmhistoriker Paolo Caneppele und Günter Krenn in den nicht-filmischen Sammlungen des Österreichischen Filmmuseums entdeckt und aufgearbeitet haben, finden sich zahlreiche Fotografien und Zeitungsausschnitte. Sie belegen die abenteuerliche Lebensgeschichte Jellineks.

Jellinek ist für Paramount ab 1921 zunächst im Baltikum und Polen tätig, flüchtet als Jude nach Italien, später führt ihn seine Reise über Lissabon ins Exil nach Argentinien und Uruguay. Bald spricht er fließend Spanisch und ist vielgeachteter Manager. Nach dem Krieg lebt Jellinek in Frankfurt, 1956 kommt er für Paramount nach Wien.

Dies ist eine von vielen Geschichten, die bisher nicht erzählt wurden. Sie zeigt, dass Filmexil zur Zeit des Nationalsozialismus nicht nur Regie, Drehbuch oder Schauspiel betraf. Der „Filmkaufmann“ Rudolf Jellinek ist dafür ein Paradebeispiel.

Montag, 6. September 2021

Zeitgeschichte reloaded.

Für unsere nächste Produktion, in der es um die sogenannten Asozialen in der NS-Zeit geht, haben wir mit den Dreharbeiten begonnen. Spannende Interviews und interessante Geschichten!

Montag, 23. August 2021

Buchpräsentation.

Jetzt ist es wirklich bald soweit: Am 4. Oktober präsentiere ich das Buch Der Fädenzieher im Metro-Kino!

Freitag, 20. August 2021

Berge im Kopf.

Seit Corona uns nicht mehr ganz so leicht in alle Welt verreisen lässt, entdecken viele Menschen die Berge als Alternative. Mehr oder weniger gut ausgerüstet sind Wanderer auf Klettersteigen unterwegs, erklimmen Gipfel, nächtigen in Berghütten. Dass Bergsteigen auch immer eine Kopfsache ist, zeigt der britische Autor Robert Macfarlane, dessen Erstling aus dem Jahr 2005 nun auch auf Deutsch vorliegt: Berge im Kopf – Geschichte einer Faszination heißt es.

Es war die Bibliothek des Großvaters, die in Robert Macfarlane die Liebe zum Wandern und Bergsteigen entfachte. Dort standen – dicht an dicht – alle berühmten Expeditionsberichte. Damals noch ein Bub, verschlang der kleine Robert all diese Geschichten, egal ob es sich um Abenteuer in der Antarktis, in den Alpen oder am Mount Everest handelte. Gemeinsam mit den mutigen Männern – denn es waren zumeist keine Frauen bei diesen Expeditionen dabei – erlebte Robert Macfarlane so manches Abenteuer.

Zitat: Ich zog meinen Schlitten durch hüfthohen Polarschnee. Ich stolperte über Schneeverwehungen, stürzte Rinnen hinab, kletterte über Grate und schritt auf Bergrücken aus. Von den Gipfeln der Berge blickte ich auf die Welt herab, als handle es sich dabei um eine Landkarte. Mindestens zehn Mal kam ich fast ums Leben.

Die schroffen Felswände, die moosgrünen Almen, die steilabfallenden Schluchten faszinierten den jungen Robert Macfarlane. Denn schon bald erkannte er, wie viel in Landschaften hineininterpretiert oder herausgelesen werden kann, wie viele Erfahrungen und Erkenntnisse die Beschäftigung mit dem Gebirge mit sich bringt.

Zitat: Die Kargheit der Landschaft, in der die Männer unterwegs waren, zog mich an – die Wüstenlandschaften der Berge und der Pole mit ihrem strengen Dualismus von Schwarz und Weiß. […] Mut und Feigheit, Ruhe und Anstrengung, Gefahr und Sicherheit, richtig und falsch: Die unerbittliche Natur ihrer Umgebung ordnete alles nach diesem binären Prinzip.

Bevor die Welt von oben betrachtet werden kann, braucht es jedoch eine genaue Planung. Schon immer waren daher Kartografen besonders angesehen, wenn es darum ging, Neuland zu erforschen. Lustvoll erzählt der Autor über das geräuschvolle Auffalten einer neu gekauften Karte, über der man die Route bereits vorab bewandern kann. 

Zitat: Karten verleihen einem Siebenmeilenstiefel, ermöglichen es, Kilometer in Sekunden zurückzulegen. Um eine geplante Wanderung oder Klettertour abzustecken, kann man mit der Bleistiftspitze über Gletscherspalten segeln, hohe Felsabbrüche mit einem einzigen Satz überwinden und mühelos Flüsse überqueren. Auf einer Karte ist das Wetter immer gut, die Sicht immer perfekt.

Es ist ein schönes Buch, das der Verlag Matthes&Seitz in der Reihe Naturkunden da herausgegeben hat. Das Cover ist – genauso wie die Illustrationen, Kartenausschnitte und Fotografien – in kühlem Blau gehalten, der Titel leuchtet in zarter silberner Schrift. Ein Buch, das man gerne angreift, das satt in der Hand liegt und dann auch noch inhaltlich überzeugt. Historische Ereignisse verquickt Robert Macfarlane mit seinen eigenen Bergerlebnissen, erzählt von Glücksgefühlen und Momenten der Angst.

Zitat: Ich merkte, dass ich mich so stark am Fels festgekrallt hatte, dass meine Fingerspitzen weiß waren. Meine Gliedmaßen zitterten und schienen kaum in der Lage zu sein, mein Körpergewicht zu halten. Mein Herz hämmerte. Aber es war vorbei. Ich nahm mir wieder einmal fest vor, niemals mehr ins Hochgebirge zurückzukehren.

Natürlich ist er bald darauf wieder auf einen Berg geklettert. Bestiegen werden Berge seit rund 300 Jahren, davor hätte sich kaum jemand zum Vergnügen die Mühe gemacht, einen Gipfel zu erklimmen. Berge waren unbrauchbar für die Landwirtschaft, waren weit entfernt von der Erhabenheit, die ihnen heute zugesprochen wird. Anhand von Literatur, Reiseberichten, Malerei und Philosophie zeichnet Robert Macfarlane eine Kulturgeschichte des Alpinismus. Neben den furchtlosen Gipfelbezwingern geht es in diesem Buch aber vor allem darum, was Berge in uns auslösen.

Zitat: Der Blick von einem Gipfel macht stark. Auf gewisse Art löscht er einen aber auch aus. Das Bewusstsein wird gestärkt durch die erweiterten Fähigkeiten des Sehens, aber es wird auch angegriffen von der bedrohlichen Erkenntnis der eigenen Bedeutungslosigkeit angesichts der großartigen Blicke auf Zeit und Raum, die von der Spitze eines Berges offenbart werden.

Robert Macfarlanes „Berge im Kopf“ lassen uns Gebirge ein bisschen anders sehen. Die eigene Verletzlichkeit im Gegensatz zur Wucht des Felsmassivs. Von unten wirkt der Gipfel weit weg, doch ist er erreicht, sind alle Mühen vergessen. Und wer den Abgrund überwindet, wird auch andere Probleme leichter meistern. Man kann dieses Buch in den Bergen lesen. Muss man aber nicht.

Info: Robert Macfarlane Berge im Kopf. Geschichte einer Faszination aus dem Englischen von Gaby Funk (Matthes&Seitz, Naturkunden 2021)

Montag, 16. August 2021

Eine traurige Nachricht.

Monika Kolussi, die Enkelin von Österreichs erster Regisseurin Louise Fleck, ist vergangene Woche gestorben. Das macht mich sehr traurig, denn Monika ist mir in der kurzen Zeit, die wir uns kannten, eine sehr liebe Freundin geworden. Ich bin dankbar, dass sie mir von ihrer Großmutter erzählt hat und damit diese Frau lebendig werden ließ. Wenn wir uns trafen, wurde immer viel gelacht. Ich werde Monika vermissen.

Freitag, 30. Juli 2021

Unterwegs nach Xanadu.

Wenn wir reisen und fremde Länder und Kulturen erkunden, sind oft die beglückendsten Momente jene, in denen wir in Kontakt mit den dort lebenden Menschen kommen. Bei Begegnungen und in Gesprächen lernen wir meist viel mehr über Gebräuche, Traditionen und Lebensumstände als beim Sightseeing und Abfotografieren von Sehenswürdigkeiten. Auch in Elmar Schenkels Buch „Unterwegs nach Xanadu“ geht es um schicksalshafte Begegnungen, die die Beziehungen zwischen Ost und West geprägt haben.

Der Ferne Osten – immer schon ein sprudelnder Quell für Neugier, Märchen und Träumerei. Autor Elmar Schenkel – selbst ruheloser Reisender mit starker Affinität zu Alchemie und Mythenforschung – lässt seine Leserinnen und Leser an zahlreichen spannenden, irritierenden oder skurrilen Begegnungen zwischen Ost und West teilhaben, die die wechselseitige Kulturgeschichte zweier so verschiedener Welten lebendig werden lassen.

Zitat: Missverständnisse und Auslassungen, vorgefertigte Ansichten, Ausblendungen und Übertreibungen charakterisieren das Verhältnis der Kulturen untereinander, generell, aber insbesondere wohl zwischen Asien und dem Westen. Wie viel wurde hier hineinprojiziert und hineingeträumt, verworfen, kritisiert, bewundert.

Als auslösendes Moment für das erblühende Interesse an östlichen Kulturen in der westlichen Welt nennt der Autor die Weltausstellung in Chicago im Jahr 1893. Entscheidend ist der letzte dort abgehaltene Kongress, das Weltparlament der Religionen. Dort spricht Swami Vivekananda, ein junger Mann aus Indien, vom Hinduismus. Der charismatische Mann zieht alle in seinen Bann. 

Zitat: Er hatte ein enormes Gedächtnis und konnte ein Buch auswendig, wenn er es nur einmal gelesen hatte, […] Mathematik war nicht sein Gebiet, dafür Stockfechten, Reiten, Kochen und Zaubern. Er hielt nichts vom Aberglauben und verabscheute das Kastensystem.

Und so beginnt der Autor sein Buch auch mit dem Kapitel über Indien. Er erzählt von den Philosophen Friedrich Nietzsche und Arthur Schopenhauer, die inspiriert wurden, genauso wie von der österreichischen Kunsthistorikerin Stella Kramrisch, die an der Universität von Kalkutta lehrte. Weitere große Kapitel beschäftigen sich mit anregenden Begegnungen in China und Japan. Zweimal trifft man in diesem Buch den Schriftsteller Hermann Hesse, in dessen Familie Indien eine große Rolle spielte – sein Roman Siddharta ist vom Buddhismus inspiriert. Aber auch von China wurde Hesse stark beeinflusst. Im seinem Roman Das Glasperlenspiel ist einer der ältesten klassischen chinesischen Texte, das Yijing, das Buch der Wandlungen, von Bedeutung.

Zitat: Die betulich-deutsche Geschichte des Josef Knecht, der sich im Laufe seines Lebens zu einem Ordensmeister des Glasperlenspiels emporarbeitet, um am Ende doch nein zu sagen, wird begleitet von vielen chinesischen, vor allem taoistischen Bildern. […] Mehrmals entscheidet das Orakel des Yijing, ob Knecht einen bestimmten Schritt tun soll.

Bei all der in diesem Buch betriebenen Detailfreude und Lust am Fabulieren, kommen bei Elmar Schenkel aber auch Humor und Ironie nicht zu kurz. Etwa bei der Geschichte über Madame Blavatsky, deren Lebenslauf der Autor eine Pirouette nennt, zwischen Abenteuer und Scharlatanerie. Von einer wohl eher eingebildeten Reise nach Tibet bleibt eine spirituelle Verbindung mit einem buddhistischen Meister.

Zitat: Ihr erstes Buch, Iris entschleiert, hatte sie inzwischen wegen Fehlerhaftigkeit verworfen. Selbst der Meister aus dem Himalaya, der sie telepathisch mit Gedanken versorgte, war nicht besonders begeistert gewesen. Nun gut, viele Botschaften geraten auch bei Telepathie auf die falsche Bahn.

So verschieden die Menschen und Ansichten zwischen Ost und West auch sind, Elmar Schenkel erzählt kenntnisreich und ohne zu werten über neugierige Forscher und theosophische Pioniere. Kurzweilig geschrieben und mit vielen Unterkapiteln, kann man dieses Buch an beliebiger Stelle aufklappen und wird immer wieder aufs Neue überrascht. Hier spirituelle Erleuchtung, dort wissenschaftliche Erkenntnis. Auch wenn Kolonialismus und Kriege die Beziehungen immer wieder belastet haben – Yoga, Zen-Praktiken oder die Kunst des Haiku-Dichtens sind Inspirationsquellen der westlichen Welt geworden. Die Faszination für den Fernen Osten begann mit Marco Polos Bericht über seine angebliche Reise in die legendäre und geheimnisumwitterte chinesische Stadt Xanadu im 13. Jahrhundert. Dieses Buch sagt: Wer offen ist für Neues und sich auf Begegnungen einlässt, der findet vielleicht sein eigenes Xanadu.

Info: Elmar Schenkel Unterwegs nach Xanadu. Begegnungen zwischen Ost und West (S. Fischer 2021)

Freitag, 9. Juli 2021

55 kuriose Grenzen und 5 bescheuerte Nachbarn.

Wir sind stets von Grenzen umgeben. Grenzen, die unseren persönlichen Lebensbereich definieren. Grenzen, an denen sich Sprachen zu etwas Neuem vermischen. Grenzen, die seit Jahrhunderten ein Zankapfel der Herrschenden sind. Grenzen, die überwunden werden müssen, um von einem Land ins andere zu reisen. Der Standard-Journalist Fabian Sommavilla hat für sein Buch mit dem Titel „55 kuriose Grenzen und 5 bescheuerte Nachbarn“ zahlreiche erstaunliche Geschichten gesammelt.

Wer dieses Buch direkt beim Verlag bestellt, wird positiv überrascht: Denn es kommt per Post komplett plastikfrei, stoßfest eingeschlagen in Karton und Papier. Das gibt schon einmal Extrapunkte. Wenn man das Buch aufschlägt, kommt man aus dem Schwärmen kaum heraus: denn die mehrfarbigen Grafiken, gestaltet von Iris Ott und Tim Ehlers vom Katapult-Verlag, sind alleine schon ein Grund, dieses Buch zu kaufen. Schlicht und prägnant illustrieren sie jeden der kurzen Texte. Und für diese Texte hat Autor Fabian Sommavilla allerlei Spannendes aus aller Welt zusammengetragen.

Zitat: Grenzen haben sich stets verschoben und gewandelt, sind aufgetaucht und wieder verschwunden. Vor allem aber waren die Trennlinien auf den Karten immer nur vage Momentaufnahmen. Sie waren das, was Herrschende zu beherrschen glaubten oder kontrollieren wollten. Zu jeder Karte existierte meist eine andere, die zumindest Teile des Gebiets jemand anderem zuschrieb.

Aus der Fülle an Grenz-Geschichten seien hier zwei ausgewählt, die eine besonders kurios, die andere mit aktuellem Bezug. Zunächst geht es um die Fasaneninsel, 220 Meter lang, 40 Meter breit. Sie liegt im Grenzfluss Bidasoa zwischen Spanien und Frankreich und hatte ihren großen Auftritt vor rund 350 Jahren. 

Zitat: Als die beiden Widersacher nach dem 24 Jahre währenden Französisch-Spanischen Krieg ihre gemeinsame Grenze festlegten, wählten sie die Fasaneninsel als neutralen Ort, um nach einem dreimonatigen Sitzungsmarathon den Pyrenäenvertrag zu unterzeichnen. Für den Fall, dass die Friedensverhandlungen scheitern, standen die Heere auf beiden Seiten an den extra angelegten Holzbrücken gefechtsbereit.

Doch keine Sorge, es wurde nicht mehr gekämpft, ganz im Gegenteil, es wurde gefeiert.

Zitat: Weil die Könige beim Schwingen des Tanzbeins trotz des Friedens keinesfalls die imaginäre Grenzlinie überschreiten durften, wurde sie mit verschiedenfarbigen Teppichen kenntlich gemacht.

Seit damals wird die kleine unbewohnte Insel jeweils ein halbes Jahr von Frankreich verwaltet, das andere halbe Jahr von Spanien. Ein anderes Beispiel ist die komplizierte Grenz-Situation in Israel. Autor Fabian Sommavilla beschreibt die Situation in der Stadt Hebron, wo die Besitzverhältnisse immer wieder zu militärischen Konflikten führen.

Zitat: Dabei leiten sich sowohl der hebräische als auch der arabische Name Hebrons vom Wort „Freund“ ab. Dieser Bedeutung wird die Stadt aber schon lange nicht mehr gerecht.

Hebron ist für das Judentum genauso wichtig wie für den Islam und das Christentum, sollen doch hier zahlreiche für die Religionen bedeutsame Personen in der sogenannten Machpela begraben sein. Die Pilgerstätte liegt allerdings seit dem Ende des Sechstagekrieges im Jahr 1967 im von Israel kontrollierten Teil der Stadt. 

Zitat: Mehr als 700 Jahre hatte unter muslimischer Herrschaft kein Jude und keine Jüdin die Machpela betreten dürfen. Plötzlich beteten sie dort wieder. Bereits ein Jahr später begannen jüdische Siedlerinnen und Siedler, Teile der Altstadt für sich zu reklamieren und ein Hotel zu besetzen.

Heute leben in der Zone rund um die Machpela rund 30.000 Palästinenser und einige Hundert Israelis. Dennoch gleicht der Zugang für die Palästinenser einem Spießrutenlauf: Checkpoints, Stacheldraht, Straßen, die von palästinensischen Autos nicht befahren werden dürfen. Eigentümlich ist auch dieses Detail:

Zitat: Aus dem nur 30 Kilometer entfernten Jerusalem bieten Reisebüros mehrmals wöchentlich die sogenannte Dual-Narrative-Tour an. Ein jüdischer Siedler weist der Reisegruppe dabei mittags den Weg durch den Checkpoint, damit sie […] auch die Sicht des palästinensischen Aktivisten zu hören bekommt. Besucherinnen und Besucher bleiben zurück mit zwei Versionen einer gemeinsamen Geschichte.

Ob diese Grenz-Geschichte jemals ein gutes Ende nimmt? Schwer vorstellbar. Prinzipiell sagen Grenzen – egal ob es sich um Staatsgrenzen, Stadtmauern oder Gartenzäune handelt – viel über die menschliche Natur aus. Über absurde Willkür und Machterhalt. Fabian Sommavillas Buch ist kurzweilig und informativ, wirkt nie belehrend. Der Autor verpackt seine gründlich recherchierten Informationen in leicht verständliche Texte, ist manchmal sehr direkt in seiner Wortwahl, betrachtet vieles aber auch mit einem Augenzwinkern. Fazit dieses empfehlenswerten Buches: Die meisten Trennlinien sind menschengemacht, viele sind vollkommen absurd und von einer Welt ohne Grenzen sind wir noch immer weit entfernt.

Info: Fabian Sommavilla „55 kuriose Grenzen und 5 bescheuerte Nachbarn“ (Katapult 2021)

Montag, 28. Juni 2021

Shanghai mit Begleitung.

Sehr netter Besuch aus Köln. Georg Bungarten ist der Enkelsohn des Fotografen Julius Büschel, der in Shanghaier Exil gemeinsam mit den Brüdern Basch eine Pressefotografieagentur (Basch & Büschel) gründete. Viele der Fotos waren in der JMW-Ausstellung zu sehen, auch das Bild hinter der Rikscha könnte Julius Büschel gemacht haben. Ich habe einige der Bilder für die Doku "Flucht vor Hitler" verwendet, auch im Buch über Arthur Gottlein werden einige Bilder aus dieser Agentur drin sein.

Montag, 21. Juni 2021

Geschichte erleben.

Kurzurlaub in Portugal. Am Strand von Estoril fällt mir dieses Gebäude auf, erinnert mich an ein Bild aus meinem ersten Buch "Ziegensteig ins Paradies". Daheim Bildvergleich: Stimmt. In diesem Ort waren 1940/41 zahlreiche NS-Flüchtlinge untergebracht, bis sie die Schiffspassage nach Übersee bekamen.