Mittwoch, 14. Mai 2014

Que parva que sou.



copyright: Deolinda
FM4 Homebase, 14. Mai 2014

In knapp einer Woche ist die EU-Wahl. Spannend wird sie vor allem in jenen Ländern, die als EU-Sorgenkinder gelten: Griechenland, Spanien und auch in Portugal. In dem kleinen Land im Westen Europas muss seit Jahren kräftig gespart werden, die EU hat ihren Euro-Rettungsschirm aufgespannt, um dem Land aus der finanziellen Misere zu helfen. Besonders betroffen von den Sparmaßnahmen sind die jungen Menschen. Viele überlegen schon am Beginn ihres Studiums, wohin sie später auswandern werden: denn in Portugal selbst gibt es kaum Arbeit für sie. Und wenn, dann ist sie schlecht bezahlt. Die EU hat bei der portugiesischen Jugend derzeit wohl keinen besonders guten Stand. Die Band Deolinda hat vor einiger Zeit mit einem einfachen Lied den Nerv der Zeit getroffen hat, das Lied wurde zur Hymne einer ganzen Generation.

"Ich gehöre zur Generation, die nichts bezahlt bekommt und beschwere mich nicht einmal - wie blöd ich doch bin."

So singt Ana Bacalhau von der Gruppe Deolinda, einer der erfolgreichsten portugiesischen Bands. Sie machen mainstreamtauglichen Pop, stark beeinflusst von der traditionellen Volksmusik. Den Erfolg dieses Liedes haben Deolinda nicht vorhergesehen, sehr emotional sei das gewesen, bei Konzerten in Porto und Lissabon, sagt Ana: 
"Als wir da auf der Bühne gestanden sind und gesungen haben, haben die Menschen zu applaudieren begonnen, sind aufgestanden, viele haben sogar geweint. So viele Gefühle in einer Halle mit 3.500 Menschen! Da haben wir erst gemerkt, wie sehr das Lied die Menschen anspricht."

"Man muss froh sein, ein Praktikum zu machen, man wohnt im Hotel Mama, ich habe doch schon alles, wozu sich also beschweren? Wie blöd ich doch bin!"

Das Lied ist nie auf CD erschienen, seinen Siegeszug hat es auf Youtube angetreten. In einer Zeit, in der die Portugiesen auf die Straßen gegangen sind, um gegen die Sparprogramme der Regierung und die Bevormundung durch die EU-Troika zu demonstrieren. Deolinda haben die Proteste in die Konzertsäle geholt, mit einer Ballade, in der es offenbar genau um das geht, was die portugiesische Jugend beschäftigt, wenn sie an die Zukunft denkt: Trostlosigkeit, Frust und Ärger.
"Wir leben in schweren Zeiten und die Musik hilft den Menschen, das ist gut so", sagt Gitarrist Luís Martins. Und Ana Bacalhau fügt hinzu: 
"Für mich ist das ganz normal, ein Musiker steht an der Front, und er erlebt ja auch genau das, was alle erleben. Nicht mehr und nicht weniger."

copyrigth: Deolinda

 Deolinda sind nicht die einzige portugiesische Band, die ihren Ärger in ihrer Musik verarbeitet - da gibt es zum Beispiel die Rockband Os Grã, oder Da Weasel und Minda Gap aus der Hip-Hop-Szene. Doch die alternative Szene ist in Portugal nicht besonders groß, man bleibt unter sich. Doch in Portugal haben Protestsongs auch im Mainstream Tradition. Que parva que sou ist einfach gestrickt, geht ins Ohr und funktioniert noch immer. Denn das Leben für junge Portugiesen ist weiterhin hart.

"Ich kann nicht mehr! Die Situation dauert schon zu lange! Aber ich bin doch nicht blöd. Blöd ist dieses Land, in dem ich studiere, nur um später ein Sklave zu sein."

Portugal will noch im Mai den Euro-Rettungsschirm verlassen. Gespart werden muss aber weiter. Ob sich die Situation für die jungen Portugiesinnen und Portugiesen ändert, werden die nächsten Monate und Jahre zeigen...